Melancholische Strassenzüge, geheimnissvolle Innenhöfe, eine Vielzahl von Kaffeehäusern, Bierkneipen und Weinstuben, Kinos und Musikpubs und das historische Judenviertel von Budapest: ds ist Erzsebet Varos die eigenwillig kosmopolitische Elisabethenstadt im VII. Bezirk von Budapest.
Der Terez körut die große Ringstrasse trennt den VII. Bezirk, die Elisabethen Stadt in zwei Bereiche: während die östliche Hälfte rund um den Keleti Bahnhof am Baros ter zu den am dichtesten besiedelten, recht ärmlichen Stadtteilen zählt und für den Budapest Besucher eher uninteressant ist, gilt der westliche, der Pester Innenstadt zugewandte Teil, zwischen Rakoczi ut und Adreassy ut wegen seiner Schönheit und Melancholie als eines der reizvollsten Bezirke.
Hier im ehemaligen jüdischen Ghetto, entlang der Wesselenyi utca spürt man noch einen Hauch der vergangenen Jahrzehnte. Viele Gebäude befinden sich hier noch im Originalzustand. Mit ihren melancholischen Innenhöfen und ihren über Balkonterassen zugängliche Eingangstüren und Treppenhäusern stehen sie als stumme Zeitzeugen jener wechselhaften Epochen.
Erst allmählich finden sich Investoren, die Mittel für die Restaurierung und Renovierung der jahrzehntelang vom Verfall bedrohten, einst prächtigen Häuser, bereit stellen.
Mit dem Spielberg Film ==>Schindler's Liste wurden viele auf das Schicksal der Juden in Budapest aufmerksam, und hier in Erszebet Varos ist die Athmosphäre jener schmerzvollen Zeit im jüdischen Ghetto noch zu spühren, ja sie ist authentisch.
Inzwischen kehrten viele der Budapester Juden wieder zurück und bevölkern nun mit anderen Volksgruppen den kosmopolitischen VII. Bezirk.
Neben einer Vielzahl von jüdischen Restaurants mit koscherer Küche, gibt es nunmehr wieder auch koschere Lebensmittelgeschäfte, koschere Metzgereien, koschere Bäckereien, traditionell jüdische Goldschmiedkunst und Antiquariate mit hebräischem Schriftgut und erklärender Literatur. Heute befinden sich in Erszebet Varos wieder mehr als ein halbes Dutzend jüdischer Synagogen und zahlreiche jüdische Gemeinde- und Informationszentren.
Mit fast 300 000 Mitgliedern ist die ungarische jüdische Gemeinde heute die größte in Mitteleuropa und orthodoxe Juden in ihrer traditionell Tracht und ihren aufgedrehten Schläfenlocken gehören hier wieder durchaus ins Stadtbild
Einer der stimmungsvollsten Plätze im Viertel ist der Klauzal ter: hier sitzen Männer, spielen Schach und Karten, trinken fröccs, eine Weißweinschorle, aus einem der umliegenden borozo, den ungarischen Weinstuben.
Im Herzen des jüdischen Viertels rund um den Klauzal ter befindet sich die weltbekannte, im Jahr 1907 erbaute Liszt Musikakademie, die Studenten aus aller Welt nach Budapest führt. Die Akademie öffnet ihre Türen oft für Konzertveranstaltungen und bei dieser Gelegenheit kann man das mit Zsolany Porzellan und mit kostbaren Fresken reichlich ausgestattete Innere der Akademie bewundern. Im Großen Konzertsaal befindet sich eine weltberühmte Pfeiffen Orgel, auf der bereits Franz Liszt und Saint-Saens Konzerte gegeben haben.
Auch die Jugendstil-Markthalle, die um 1900 eröffnet wurde, ist ein Besuch wert. auch wenn heute ein Supermarkt einen Teil des Innenraumes belegt, bieten noch unzählige einzelne Händler hier ihre Waren an.
Durch die Vielzahls der Discos, Music-Clubs, Kinos, Theater und der unübersehbaren Wein- und Bierstuben wird Erzsebet Varos in den Abendstunden zu einem beliebten Szene-Treff, der vor allem junge und jungebliebene Leute bis in die Morgenstunden in ihren Bann zieht.
Die Große Synagoge an der Dohany utca, erbaut im Jahre 1859, ist die größte Synagoge der Welt außerhalb New Yorks. Die Synagoge wurde von 1854 bis 1850 vom Wiener Architekten Ludwig Förster gemeinsam mit den Ungarn Frigyes Feszl und Jozsef Hild errichtet. nach der Zerstörung im 2.Weltkrieg wurde die Rennovierung mit großem finanziellen Aufwand, unterstützt durch Spenden aus dem Ausland, im Jahr 1991 fertig gestellt.
Im Inneren der Kuppel zieren die in hebräischer Sprache aufgezeichneten, aufwendig mit Blattgold überzogenen Aufzeichnungen der Zehn Gebote den Gebetsraum.
Das mit romanischen und maurischen Elementen geschmückte Gebäude mit einem kunstvollen Kupferdach bildet nunmehr mit gutbesuchten Konzert- und Vortragsveranstaltungen und Ausstellungen und Informationsreihen zur Lage der Juden in Ungarn das kulturelle Zentrum des VII.Bezirks.
Gemeinsam mit dem angeschlossenen jüdischen Museum, der benachbarten Holocaust Gedenkstätte und den Gedenktafeln kann sich der Besucher über die Geschichte der Juden in Budapest und insbesondere über die Entfaltung des Stadtteils Erzsebet varos umfassend informieren.
Erschütternd und ergreifend ist der Metallbaum im Garten der Synagoge, der auf seinen Blättern Namen von Opfern des Holocausts in Ungarn einzeln auflistet und das unendliche Leid erahnen läßt.

Nördlich des Blaha Lujza ter auf der Ringstraße (Erzsebeth körut) befindet sich der New York Palast mit dem weltberühmten New York Cafe, in der Tradtition der Intelektuellen und Literaten Cafe-Häuser, mit plüschigen Art Nouveau Ambiente. Es ist bekannt als der Künstler und Literaten Treffpunkt in Budapest schlechthin und gab die Kulisse für etliche Kinofilm-Szenen.
Bei einer Tasse Kaffee, unter güldenen Lüstern sitzend, lässt es sich hier leicht über Gott und die Welt philosophieren und mit etwas Glück erfüllt man sich ja hier den lang ersehnten Autogrammwunsch von Tony Curtis oder Ben Kingsley, die man hier schon öfters gesehen haben soll.
Notiz: Serge Waldschmied für BoB